Jeder Coaching-Prozess beginnt damit, das Ziel des Klienten zu konkretisieren. Ein Beispiel: Eine Interessentin berichtet im Kennenlern-Gespräch, dass sie an ihrem Arbeitsplatz oft gestresst und unzufrieden sei. Sie wünscht sich, durch ein Coaching ihre frühere Motivation und Gelassenheit wiederzufinden. Die Zielfindung ist dabei ein wichtiger Schritt.

Fragen zur Zielfindung

Im ersten Coaching-Termin frage ich die Klientin zum Einstieg nach besonderen Ereignissen am Arbeitsplatz seit unserem ersten Kontakt. Sie berichtet vom jährlichen Mitarbeitergespräch, das sie als wenig wertschätzend und frustrierend erlebt habe. Ein kurzer Dialog schließt sich an, der charakteristisch ist für die Zielfindung im Coaching:

„Was würden Sie gerne in dieser Sitzung besprechen, und was würden Sie gerne durch das Coaching ändern?“
„Ich weiß es gar nicht so genau. Ich möchte gelassener werden, mehr in mir ruhen.“
„Woran würden Sie merken, dass Sie das erreicht haben?“
„Ich wäre abends nicht so erschöpft! Ich hätte wieder mehr Energie, würde mich mit Freunden treffen, meine Freizeit genießen!“

Glaubenssätze und Antreiber

Unser berufliches Verhalten kann von Glaubenssätzen und inneren Antreibern beeinflusst werden. Inwieweit dies bei meiner Klientin zutrifft, möchte ich mit ihr herausarbeiten. Deshalb frage ich nach ihrem sozialen Umfeld und ihrem Berufsweg. Bei ihrer Antwort achte ich besonders auf die Formulierungen, die sie wählt: Ich musste ganz viel lernen und hatte keine Zeit mehr für Freunde. Die Arbeit war anstrengend. Selbst an den Wochenenden hatte ich kaum Zeit für den Partner. Man muss tun, was das Umfeld erwartet. Was man anfängt, muss man auch zu Ende bringen.

Es wird deutlich, dass die Klientin alle Ziele durch Fokussierung und Verzicht erreicht hatte. Echten Stolz auf die eigene Leistung konnte ich allerdings nicht erkennen.

Ein Bild entsteht

Ich beschreibe das Bild, das während ihrer Erzählung in meinem Kopf entstanden ist: Ein Mensch zieht einen Felsblock den Berg hinauf. Das zehrt so an seinen Kräften, dass er, endlich auf dem Gipfel angekommen, die Aussicht nicht mehr genießen kann. Meine Klientin bestätigt, dass sie diese enorme Mühsal gut kenne. Aber es sei kein Felsblock, sondern eine ans Bein gekettete Kugel, die sie permanent mit sich ziehe. Während ich diese Kugel auf einem Blatt Papier skizziere, verändert meine Klientin Körperhaltung und Mimik. Ich frage nach:

„Was erleben Sie gerade?“
„Ich war gerade ganz traurig.“
„Können Sie sagen, was Sie traurig macht?“
„Ich habe eigentlich noch nie darüber nachgedacht, was ich will. Das möchte ich im Coaching herausfinden! Und am Ende soll die Kugel so klein sein, dass ich sie nicht mehr spüre!“

Ziel und Hausaufgabe

Was möchte ich eigentlich? Diese Frage steht nun im Mittelpunkt des Coaching-Prozesses. Bevor ich mit meiner Klientin das nächste Treffen verabrede, gebe ich ihr eine Aufgabe mit auf den Weg: sich bis dahin an die vielen Situationen erinnern, die sie als fröhlich, leicht und unbeschwert erlebt hat. Diese Momente freizulegen, kann ein großer Schritt auf dem Weg zu ihrem Ziel sein.