Wissensmanagement

Bei Wissenstransfer denken viele zunächst an die Weitergabe von arbeitsplatzspezifischen Kenntnissen an einen Stellen-Nachfolger. Was aber tatsächlich noch alles im Thema Wissensmanagement steckt, zeigt ein Projekt der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) sehr eindrucksvoll. Deshalb möchte ich es hier vorstellen.

Die Ausgangssituation

Ein Unternehmen hatte erkannt, dass einigen älteren Beschäftigten der Umgang mit dem Computer auch nach Jahren nicht leicht von der Hand ging. Die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dagegen sehr fit am PC und eigneten sich die jeweils notwendigen Software-Kenntnisse rasch an.

Interne Trainer statt externe Dozenten

Die älteren Beschäftigten sollten geschult werden, um die verwendete Büro-Software sicherer anzuwenden. Dabei ging es insbesondere darum, Funktionen wie Serienbriefe, Formulare und Tabellenkalkulation einzuüben. Anstatt wie bisher externe Dozenten einzukaufen, wurden die Auszubildenden gebeten, diese Schulungen zu übernehmen. Sie kannten sich mit den Anwendungen gut aus, hatten allerdings noch keine Erfahrungen in der Kursleitung.

Azubis als Kursleiter

Die Auszubildenden standen nun vor der Herausforderung, ihr Handlungswissen systematisch zu reflektieren und didaktisch aufzubereiten. Dies war notwendig, um es in einer konkreten Unterrichtssituation an die ältere Generation weitergeben zu können. Sie erarbeiteten strukturierte Schulungsabläufe und konzipierten Übungsaufgaben, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstständig lösen konnten.

Lernerfolge für beide Seiten

Die Schulungen waren sehr erfolgreich – für beide Seiten. Die Älteren machten die Erfahrung, dass Lernerfolge keine Frage des Alters sind und sie sich nicht schämen müssen, wenn wesentlich jüngere Menschen ihnen Wissen vermitteln. Den Azubis wiederum machte der Rollenwechsel viel Spaß. Sie lernten, wie ein attraktiver Unterricht gestaltet und Älteren selbstständiges Lernen ermöglicht wird. Zudem konnten sie einüben, diesen ein unmittelbares Feedback auf deren Leistungen zu geben.

Zusammenarbeit nachhaltig gestärkt

Über den positiven Verlauf des Projekts waren alle Beteiligten überrascht. Die Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt lief besser als vermutet. Die Akzeptanz der jungen Kursleiter bei den älteren Beschäftigten war so hoch, dass diese ihre guten Erfahrungen im Kollegenkreis mitteilten. Dadurch wurde die Offenheit gegenüber den Auszubildenden gefördert. Das Projekt führte dazu, die Kommunikation und Zusammenarbeit über Generationengrenzen hinweg nachhaltig zu verbessern: Über die reine Wissensvermittlung hinaus wurde in den Schulungen auch ein wertschätzender Umgang miteinander eingeübt. Das neue Trainingskonzept wurde schließlich als fester Bestandteil der kaufmännischen Ausbildung im Unternehmen verankert.

Viele weitere Best-practice-Beispiele zum Thema Wissensmanagement gibt es auf der Website von INQA.