Personalabbau

Gerade geht wieder eine Kündigungswelle durch die deutsche Wirtschaft. Ein Schiff wie die Deutsche Bank plant, rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bord zu schicken. Was löst eine solche Ankündigung über bevorstehenden Personalabbau im Unternehmen aus? Und welche Unterstützung brauchen eigentlich diejenigen, die bleiben? Sie sollen heute mal im Fokus stehen.

Unsicherheit bei allen

Spätestens wenn die Geschäftsführung den Stellenabbau offiziell bekannt gibt, beginnt bei den Beschäftigten das Kopfkino: „Werde ich betroffen sein? Wie wichtig ist mein Arbeitsplatz eigentlich für das Unternehmen? Und wie wichtig bin ich als Person?“ Diese Unsicherheit geht mit ganz unterschiedlichen Gefühlen einher: Manche empfinden Enttäuschung und Resignation, Hilflosigkeit und Wut. Andere wiederum strengen sich jetzt besonders an, um zu zeigen, wie unentbehrlich sie sind. Jedes Wort der Führungskräfte wird auf die Goldwaage gelegt; alles kann ein Hinweis auf die eigene berufliche Zukunft sein. Gerüchte wabern durch Flure, Teeküchen und Kantinen. Jeder hat etwas gehört, das mit den Kolleginnen und Kollegen gedeutet und bewertet wird. Fachleute gehen davon aus, dass in dieser Phase der Unsicherheit die Beschäftigten fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit nicht produktiv sind. Das Unternehmen ist mit sich selbst beschäftigt – und das merken am Ende auch die Kunden.

Klarheit für die einen

Wenn ein Unternehmen den angekündigten Stellenabbau professionell handhabt, ist nach kurzer Zeit klar, wer von den Maßnahmen betroffen sind. Der Betriebsrat konzentriert sich in dieser Zeit darauf, möglichst faire und gute Konditionen für die zu entlassenden Mitarbeiter auszuhandeln, etwa Abfindungszahlungen und Outplacement.

Bedenken bei den anderen

Doch was ist mit den Beschäftigten, die bleiben? Was denken, was tun diese „Überlebenden“, wie sie sich manchmal selbst bezeichnen? Zunächst werden sie mit Argusaugen beobachten, wie das Unternehmen mit den Gekündigten umgeht: Was berichten die Kolleginnen und Kollegen über die Gespräche, in denen ihnen die Entlassung mitgeteilt wurde? Welche Ängste und Sorgen plagen sie? So erhalten sie einen Eindruck davon, was sie selbst bei der nächsten Kündigungswelle erwarten könnte – wenn das Glück dann nicht länger auf ihrer Seite ist.

Ein drastischer Personalabbau ist immer auch ein Gesprächsthema in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft: „Was ist eigentlich in eurem Laden los? Wie lange ist denn dein Arbeitsplatz noch sicher?“ Diesen als sicher empfundenen Arbeitsplatz gibt es selbst für die Bleibenden plötzlich nicht mehr. Oft sitzt der Schock auch bei ihnen tief. Die innere Distanz zum Unternehmen wächst, Identifikation und Leistungsbereitschaft nehmen ab. Das angestrebte Unternehmensziel, durch den Personalabbau wieder erfolgreich am Markt agieren zu können, gerät so in Gefahr. Und damit steigt das Risiko für die verbleibenden Beschäftigten.

Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Damit das Verhältnis der Beschäftigten zum Arbeitgeber nicht nachhaltig gestört bleibt, ist es wichtig, das verlorene Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Hierbei kommt den Führungskräften eine entscheidende Rolle zu. Nicht immer ist ein kompletter Austausch der Führungsriege erforderlich. Aber eine genaue Analyse, welche Manager das Vertrauen wieder aufbauen können, kann den langfristigen Erfolg des Unternehmens sichern. Eine weitere vertrauensbildende Maßnahme ist die selbstkritische Betrachtung der eigenen Unternehmenskultur. Falls erforderlich, sollten notwendige Veränderungen für alle sichtbar auf den Weg gebracht werden. Nur wenn der Personalabbau als komplexer Change-Prozess anerkannt wird, können sich für das Unternehmen die damit verbundenen Erwartungen erfüllen – und die verbleibenden Arbeitsplätze erhalten werden.