Den Begriff Outplacement kennen viele. Aber nicht alle wissen, was sich genau dahinter verbirgt. In einer Artikelserie erläutere ich in den nächsten Wochen, was Outplacement ist und wie Firmen sowie Beschäftigte diese Dienstleistung nutzen können.

Kündigung kann jeden treffen

Es gibt viele Gründe, warum Unternehmen sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen. Nur selten ist eine unzureichende Arbeitsleistung der Anlass. Viel häufiger sind Stellenstreichungen, Umstrukturierungen oder Übernahmen die Ursache für Kündigungen. In jedem Fall ist die Situation für beide Seiten unangenehm: für die Führungskraft, die die Nachricht überbringen muss, ebenso wie für den gekündigten Mitarbeiter.

Die Perspektive der Führungskraft

Wenn Sie einem Menschen sagen müssen, dass er seinen Arbeitsplatz verliert, löst das unterschiedliche Gefühle bei ihm aus: Fassungslosigkeit, Wut, Empörung, Trauer, Enttäuschung, Angst, Verzweiflung, Ohnmacht. Manche bringen kein Wort über die Lippen, manche fangen an zu weinen, andere schimpfen lautstark. Wenn Führungskräfte eine größere Anzahl von Trennungsgesprächen führen müssen, wünschen sie sich von mir als Outplacement-Beraterin einen Fahrplan für diese Unterredungen. Den kann ich ihnen nicht geben. Stattdessen erörtere ich mit den Vorgesetzten verschiedene Szenarien. Gemeinsam erarbeiten wir ein angemessenes Verhalten. Ich empfehle immer, dem Mitarbeiter Raum zu geben, auf die Kündigung zu reagieren. Führungskräfte dürfen in einem Trennungsgespräch Mut machen und Unterstützung anbieten. Es ist jedoch kein Gespräch über Perspektiven und weitere Planungen, weil das Gefühl der Ohnmacht beim Beschäftigten alles überlagert.

Die Perspektive der Beschäftigten

Wer in einem festen Arbeitsverhältnis ist, rechnet nicht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes. Selbst wenn das Unternehmen in einer Krise steckt, bleibt die Kündigung ein Gedankenspiel. Das ändert sich im Trennungsgespräch von einem Moment zum anderen. Eine Kündigung erschüttert jeden Beschäftigten. Egal, wie der Trennungsprozess verläuft und wie hoch die Abfindung ist: Das Selbstwertgefühl ist auf dem Tiefpunkt, die eigenen Fähigkeiten werden bezweifelt und die ungewisse Zukunft macht Angst.

Outplacement als Unterstützung

Das Unternehmen kann die gekündigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Gefühlen, Zweifeln und Ängsten alleine lassen. Es kann sie aber auch mit einem professionellen Outplacement auffangen.

Ziel des Outplacements ist eine neue berufliche Perspektive für den Gekündigten. In dem Beratungsprozess geht es zunächst darum, die eigenen Gefühle in den Griff zu bekommen und das Selbstbewusstsein zu festigen. Hierzu ein Beispiel: Eine Klientin, die gekündigt worden war, wollte sich so schnell wie möglich bewerben. Eine Frage ging ihr nicht aus dem Kopf: „Was soll ich denn sagen im Vorstellungsgespräch, wenn ich gefragt were, warum ich meine Arbeit verloren habe?“ Ich simulierte mit ihr ein solches Gespräch und bat sie – in der Rolle als potenzielle Arbeitgeberin – mir zu erzählen, warum sie eine neue Stelle suche. Schon nach den ersten beiden Sätzen brach meine Klientin in Tränen aus.

Nicht nur der neue Arbeitsgeber möchte wissen, warum Sie den Job verloren haben. Auch Angehörige und Freunde, Nachbarn und Sportkollegen stellen diese Frage. Vielleicht kennt der eine oder andere diese Situation aus eigener Erfahrung. Im besten Fall kann man voneinander lernen. Manchmal entwickeln die schlechten Erfahrungen anderer aber auch einen lähmenden Sog.

Nach einer Kündigung stellen Menschen sich viele Fragen: Werde ich jemals wieder eine Arbeitsstelle finden? Können wir als Familie weiterhin unser gewohntes Leben führen? Kann ich meine Wohnung oder mein Haus behalten? Wie geht es weiter, wenn ich keinen Job finde? Bin ich bereit, für die Arbeit die Stadt zu wechseln? Wie bereite ich mich auf das Vorstellungsgespräch vor? Sind meine Gehaltsvorstellungen realistisch? Das sind nur einige der Fragen, die in der Outplacement-Beratung zur Sprache kommen. Mit meiner Unterstützung erarbeiten die Klienten ihre Bewerbungsstrategien und bereiten sich auf das Vorstellungsgespräch vor. Gemeinsam meistern wir Rückschläge und Enttäuschungen, um den Erfolg des Outplacements zu sichern.

Die Klientin konnte ich übrigens umstimmen. Sie nahm sich Zeit, die Erschütterung über die Kündigung zu verarbeiten und startete etwas später in den Bewerbungsprozess.