Zu einer vollständigen Bewerbung gehört ein Lebenslauf, der lückenlos den beruflichen Werdegang dokumentiert. Darauf weisen alle Bewerbungsratgeber hin. In der Karriereberatung fragen Klientinnen und Klienten deshalb oft danach, wie sie im Lebenslauf Zeiten darstellen, in denen sie nicht gearbeitet haben.

Arbeitssuche und Orientierung

Viele Menschen sind nach der Ausbildung, dem Studium oder zwischen zwei Anstellungen einige Monate auf Arbeitssuche. Andere nehmen bewusst eine Auszeit, um sich beruflich neu zu orientieren. Sofern diese Zeiten nicht mehr als sechs Monate umfassen, können sie im Lebenslauf ohne weitere Erläuterung aufgeführt werden. Anders ist es jedoch mit längeren oder wiederholten Lücken in der Berufsbiografie.

Familienzeit und Ehrenamt

Eine mehrjährige Pause im beruflichen Werdegang entsteht häufig durch familiäre Aufgaben wie die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen. In diesen Familienphasen sind viele Fähigkeiten gefragt, die auch im Berufsalltag gefordert sind: zum Beispiel Organisation und Kooperation, Flexibilität und Improvisation, Zuverlässigkeit und Beständigkeit. Das gleiche gilt für ehrenamtliches Engagement in einer Elterngruppe, einem Verein, einer Kirche oder einer anderen gemeinnützigen Organisation. Deshalb gehören solche Zeiten ebenfalls in einen Lebenslauf.

Außerberufliche Erfahrungen

Hierzu ein Bespiel: Im Rahmen eines Outplacements beriet ich eine Frau, die nach ihrer Ausbildung mehrere Jahre eine verantwortungsvolle Tätigkeit in einer großen Firma ausgeübt hatte. Nach ihrer Heirat war sie allerdings eine lange Zeit nicht berufstätig gewesen. Das Einkommen ihres Mannes hatte ihr das ermöglicht; Kinder hatte das Paar nicht. Nach ihrer Scheidung erwarb die Frau zunächst eine kaufmännische Zusatzqualifikation und brachte ihr berufliches Wissen auf den neuesten Stand. Jetzt suchte sie eine Position im Controlling. In der Beratung berichtete sie, was sie alles gemacht hatte, als sie nicht erwerbstätig war: Sie hatte ehrenamtlich große Veranstaltungen geplant, organisiert und vermarktet. Sie hatte ein größeres Immobilienvermögen verwaltet. Und sie hatte ihren Vater im Sterben begleitet. Ich riet ihr, all das im Lebenslauf aufzuführen: Schließlich lassen sich aus diesen Tätigkeiten viele Fähigkeiten und Stärken ableiten, die zu den Aufgaben im Controlling passen. In den Bewerbungsgesprächen bot genau diese Lücke im Lebenslauf Anlass zum interessanten Austausch. Und einen Job im Controlling fand meine Klientin auch.

Nicht alles erklären

Dennoch meine ich, dass Sie nicht jede lange Studiendauer und jede Auszeit im Lebenslauf erklären müssen. Sie können es auch der Aufmerksamkeit des Lesers überlassen, die Lücken zu thematisieren. Wenn Sie allerdings gefragt werden, sollten Sie Ihre Auszeit erklären können. Dabei geht es nicht um Entschuldigungen oder Rechtfertigungen, sondern um eine nachvollziehbare Erläuterung ihrer Lücke im beruflichen Lebenslauf.

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