Oft verkünden Chefs oder Unternehmer stolz: „Wir sind wie eine große glückliche Familie. Alle kommen bestens miteinander aus. Probleme kennen wir nicht.“
Diesen Satz solltest Du auf keinen Fall glauben.
Wenn Menschen tagtäglich zusammenarbeiten gehören Unstimmigkeiten (Konflikte) einfach dazu.
Konflikte werden oft als etwas Negatives gesehen. Eigentlich müssten wir doch alle nett zu einander sein.
Und schon wird jede Auseinandersetzung, jede Kontroverse, jeder Streit vermieden.

Manche Menschen haben sogar regelrecht Angst vor Konflikten.
Schon der Gedanke, jemand könnte eine andere Meinung haben, löst bei ihnen Angst und ein ungutes Gefühl aus.
Deshalb bemühen sie sich, Frieden um jeden Preis zu erhalten.
Sie halten sich aus allem heraus, was auch nur entfernt an eine Unstimmigkeit erinnern könnte.

Was passiert, wenn Konflikte unterdrückt werden

Wenn Konflikte nicht aufgelöst werden, kann das schwerwiegende Folgen haben.
Vielleicht kennst Du das,
Du hast Dich auf der Arbeit geärgert – aber diesen Ärger hast Du runtergeschluckt.
Was passiert mit diesem Groll – er muss ja irgendwo hin.
Nun gehst Du schlecht gelaunt nach Hause. Ein falsches Wort und schon explodierst Du und die Kinder, der Hund, der Partner, die Partnerin bekommen das ab, was Du aus der Arbeit mitgebracht hast.

Und weil es an Deinem Arbeitsplatz nicht gern gesehen wird, wenn Du über Deinen Ärger sprichst, wird die Atmosphäre immer „giftiger“.
Es wird gelästert, hinter dem Rücken kritisiert, geklatscht und getratscht.
Alle sind irgendwie unzufrieden und es wird viel gemurrt und gemeckert.
Es entstehen allmählich Abneigungen bis hin zu Feindschaften.

Was kannst Du tun, wenn Du Konflikte vermeiden möchtest

Wenn Dich etwas ärgert, spreche es offen an und zwar genau in dem Moment, in dem Du Dich ärgerst oder – falls Du einen Moment „abkühlen“ musst – kurz danach.
Wichtig – der andere muss sich noch gut an die Situation erinnern können.
Sprich direkt mit der Person, auch wenn es Dein Chef ist.
Mache es unter vier Augen und nicht vor Zuschauern.
„ Vorhin, als wir über meine Aufgabe gesprochen haben, habe ich mich total geärgert, weil sie mir gar keine Möglichkeit gegeben haben, noch einmal nachzufragen. Ich habe mich gefühlt, wie ein dummer Junge / ein dummes Mädchen“
Du beschreibst genau, was Dich geärgert hat, und wie Du Dich dabei gefühlt hast.
(Das Gefühl ist wichtig – nicht vergessen!)

Gibt jetzt dem anderen die Chance, sich dazu zu äußern.
„Das tut mir leid, ich hatte schon meinen nächsten Termin im Nacken und habe gar nicht darüber nachgedacht. Welche Fragen haben Sie noch?“
Nimm diese Entschuldigung an.
Du könntest jetzt z.B. auch einen Vorschlag machen: „Wenn Sie mir das nächste Mal eine neue Aufgabe geben, können wir uns dann kurz ungestört zusammensetzen und in Ruhe alles klären.“

Es geht darum, dem anderen zu erklären, was er für Gefühle in Dir ausgelöst hat.
Denn mit diesen Gefühlen gehst Du abends nach Hause und morgens wieder an Deinen Arbeitsplatz.

Konflikte habe auch ihre gute Seite

Konflikte können Spaß machen – wenn sie fair ausgetragen, nicht überdramatisiert und nicht zu verbissen gesehen werden.
Konflikte machen das Leben interessanter: die gemütliche Routine des Alltag wird unterbrochen.
Meinungsverschiedenheiten können zu enorm lebhaften und spannenden Gesprächen führen.
Dabei erfahren wir, dass andere Menschen eine Situation ganz unterschiedlich erleben.
Das Problem auch von einer anderen Seite zu betrachten, vertieft das Verständnis für einander.
Und so entsteht die Chance, gemeinsam eine ganz neue Lösung zu finden.
Konflikte führen zu besseren Entscheidungen:  Eine Meinungsverschiedenheit zwingt uns noch einmal eine Entscheidung sorgfältig zu durchdenken.
Auch Alternativen durchzuspielen und sich erst dann für eine Lösung zu entscheiden.

Sich tatsächlich einem Konflikt zu stellen ist eine große Herausforderung.

Wenn Du offen ansprichst, was Dich stört oder ärgert und wenn Du bereit bist zu Deiner Meinung zu stehen, können wirklich tolle Dinge passieren.
Wichtig ist, dass Du dabei den anderen nicht beleidigst oder herabwürdigst. Sprich von Dir und was Du meinst. Frage nach. Mache dem anderen keine Vorwürfe, sondern höre zu.
Der Andere ist von seiner Position genau so überzeugt wie Du oder ihm war vielleicht gar nicht bewusst, dass er Dir einen Grund zum Ärgern geliefert hat.

Was sind Deine Erfahrungen mit Konflikten?
Schreib gern etwas dazu in den Kommentaren.