In der Serie „Unter vier Augen mit dem Coach“ beantworte ich Fragen meiner Klientinnen und Klienten. Im fünften Teil geht es um einen Abteilungsleiter und Familienvater, der nach zwei Monaten Elternzeit seine Arbeitszeit auf 75 Prozent reduzieren möchte.

Ich bin Wirtschaftsingenieur und leite den Einkauf eines Unternehmens in der Automotive-Branche. Vor sechs Monaten ist unser Sohn auf die Welt gekommen. Meine Frau ist seitdem zuhause. Für mich ist klar, dass auch ich zwei Monate Elternzeit nehmen werde. Und ich bin tatsächlich der erste Vater im Unternehmen, der Elternzeit plant! Der Geschäftsführer hat mir deutlich gesagt, was er davon hält: nämlich gar nichts. Nun hatten meine Frau und ich überlegt, dass wir beide in den nächsten zwei, drei Jahren Teilzeit arbeiten möchten, beide etwa 75 Prozent. Nach allen, was ich weiß, haben wir das Gesetz auf unserer Seite. Wie hole ich nun den Geschäftsführer ins Boot?

Wenn eine Führungskraft – noch dazu an einer so wichtigen Stelle wie dem Einkauf – für zwei Monate ausfällt, sind Arbeitgeber häufig verunsichert oder sogar beunruhigt. Deshalb sollten Sie mit einem durchdachten Konzept für die Elternzeit und die anschließende Teilzeitbeschäftigung in das Gespräch mit dem Geschäftsführer gehen.

Elternzeit im Team vorbereiten

Dieses Konzept entwickeln Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Vertreter und anderen engen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Legen Sie fest, wer Sie während der zweimonatigen Elternzeit in welchen Belangen vertritt. Überlegen Sie, welche möglichen Probleme auftreten könnten und entwickeln Sie hierfür Lösungsansätze. Sind Sie bereit, in dringenden Notfällen telefonisch erreichbar zu sein oder sogar im Betrieb vorbeizukommen? Dann klären Sie vorab genau, was als dringender Notfall gilt, der Ihre Intervention erfordern könnte. Wenn Sie dem Geschäftsführer deutlich machen, dass Sie verschiedene Szenarien bedacht haben und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihren Entschluss mittragen, können Sie seine Sorgen zerstreuen.

Ein Konzept für die Teilzeit

Für die anschließende Teilzeitbeschäftigung sollten Sie dem Geschäftsführer ebenfalls einen klaren Plan präsentieren. Überlegen Sie deshalb, wie Sie die Teilzeit gestalten möchten. Möchten Sie die tägliche Arbeitszeit reduzieren, später kommen oder früher nach Hause gehen? Dann zeigen Sie auf, wie sich dies mit den betrieblichen Belangen vereinbaren lässt. Oder möchten Sie einen freien Tag pro Woche haben? Dann ist Ihr Vertreter an diesem Tag gefordert. Klären Sie gemeinsam mit Ihrem Team, wer einen Teil Ihrer Aufgaben zusätzlich schultern kann. Welche Kommunikationsstrukturen brauchen Sie, damit Führung und Zusammenarbeit auch bei reduzierter Arbeitszeit reibungslos laufen?

Gut vorbereitet ins Gespräch

Wenn Sie ein überzeugendes Konzept in der Tasche haben, suchen Sie das Gespräch mit ihrem Geschäftsführer. Hier sollten Sie darstellen, wie wichtig Ihnen Ihre Vaterrolle ist. Senden Sie eindeutige Ich-Botschaften: „Ich möchte ein guter Vater sein und die nächsten zwei Jahre mehr Zeit mit meiner Familie verbringen. Damit auch die Interessen des Unternehmens nicht zu kurz kommen, habe ich einen Lösungsvorschlag erarbeitet, den ich Ihnen gern vorstellen möchte.“

Rechnen Sie damit, dass der Geschäftsführer zunächst bei seiner ablehnenden Haltung bleibt und entgegnet: „Das interessiert mich nicht! Wenn Sie mehr Zeit für Ihre Familie haben möchten, können Sie ja kündigen!“ Lassen Sie sich dadurch nicht provozieren: „Ich möchte meine Arbeit nicht aufgeben, denn ich arbeite gern für dieses Unternehmen. Ich weiß, dass Sie mich und meine Arbeit schätzen. Das haben Sie mir immer wieder gesagt. Deshalb habe ich nach einer Lösung gesucht, die für beide Seiten passend ist. Können wir darüber sprechen?“

Aus meiner Erfahrung als Coach weiß ich, dass es helfen kann, ein so ein schwieriges Gespräch in einem Rollenspiel mit einem Außenstehenden vorzubereiten. Dabei können Sie sich mit verschiedenen Reaktionen und Szenarien auseinandersetzen. Je besser Sie auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, desto größer ist die Chance, Ihren Chef zu überzeugen und am Ende mehr Zeit für die Familie zu haben.