Persönlichkeit und Lebenserfahrung – das wünschen sich Führungskräfte neben der passenden beruflichen Qualifikation von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gleichzeitig erleben Menschen, deren Lebenslauf nicht so geradlinig ist, dass sie im Bewerbungsverfahren häufig schlechtere Chancen haben. Meine Erfahrung zeigt: Es sind oft die ungewöhnlichen Lebenswege, die jemanden zur Bereicherung für ein Team werden lassen.

Scheitern und lernen

Etwa mit 16 Jahren muss ein junger Mensch über den beruflichen Weg und die Zukunft entscheiden. Aus vielen Gründen kann sich diese Entscheidung später als falsch erweisen. Ist es dann gut, um jeden Preis durchzuhalten? Oder zeigt es nicht vielmehr Mut und Entscheidungsbereitschaft, eine Ausbildung dann abzubrechen? Ich erinnere mich an einen jungen Mann, der 20 Jahre war, als er sich bei uns auf einen Ausbildungsplatz bewarb. Zwei Ausbildungen hatte er zuvor abgebrochen. Ich lud ihn ein, weil ich neugierig war. Vor mir saß ein erwachsener Mensch: Er beschrieb klar, was zu den Entscheidungen geführt hatte und warum er sich jetzt sicher sei, den richtigen Ausbildungsberuf gefunden zu haben. Und wir fanden mit ihm einen unserer erfolgreichsten Azubis!

Wechseln und weiterkommen

Eine spannende Lebensgeschichte bekam ich erzählt, als sich ein ehemaliger Missionar bei mir als Systemadministrator bewarb. Auch seine berufliche Umorientierung war gewissenhaft durchdacht, der Wechsel sorgfältig geplant. Und die Welt war um einen fähigen und motivierten IT-Spezialisten reicher.

Applaus für die einen, Kopfschütteln für die anderen

Wir bewundern Menschen, die sich nach einem Hauptschulabschluss beruflich weiterbilden und ihre Karriere mit einem Diplom oder Doktortitel krönen. Sie beweisen uns, dass sich Energie, Durchhaltevermögen und Zielorientierung lohnen. Aber was ist mit dem Chef, der seine Führungsposition abgibt, mit dem Unternehmer, der seinen Betrieb schließt, mit der Geschäftsführerin, die keine mehr sein möchte? Sie ernten von uns Kopfschütteln und Verständnislosigkeit. Einen Arbeitsplatz bieten wir ihnen nicht an.

Dabei ist es so interessant, die Entscheidungen genau zu erforschen. Wir müssen nur andere Fragen stellen und genau hinhören: War es die kritische Reflektion der eigenen Fähigkeiten und Wünsche? War es besser, das Unternehmen zu schließen, statt es einen langsamen Tod sterben zu lassen? War die strategische und finanzielle Dimension weit entfernt von dem, was eine exzellente Fachkraft machen möchte? Und was motiviert diese Menschen, sich jetzt bei uns zu bewerben?

Es ist nicht einfach, gute Mitarbeiter zu finden. Aber es ist spannend, neue Sichtweisen auf einen ungewöhnlichen Lebenslauf zu entwickeln.