Das Bewerbungsgespräch

Der erste Eindruck wirft lange Schatten

In früheren BLOG-Beiträgen habe ich mich mit der Bewerbung und dem Bewerbungsgespräch aus Kandidatensicht beschäftigt – jetzt hat mich eine aktuelle Studie von Monster veranlasst, meine Erfahrungen als Personalberaterin einmal zu reflektieren.
Wenn Unternehmen Mitarbeiter suchen, ist der erste Schritt mit mir das Anforderungsprofil abzuklären und besonders wichtige Skills abzusprechen. Auf dieser Basis starte ich üblicherweise die Personalsuche, die heute immer aufwendiger und schwieriger wird.

Verbindlichkeit

Die Unternehmen wollen möglichst schnell einen neuen Mitarbeiter finden und lassen sich trotzdem viel Zeit bei der Rückmeldung zu meinen Vorschlägen – mehr als einmal sind Bewerber in der Zwischenzeit woanders an Bord gegangen. Schnelligkeit und Verbindlichkeit sind aus meiner Sicht wichtige Qualitätskriterien für den Bewerbungsprozess.

Offenheit

Offen für den nicht perfekten Kandidaten zu sein, fällt vielen Unternehmen schwer. Wenn nicht alle Kriterien vollständig erfüllt sind, wird ein Kandidat oft abgelehnt – auch wenn er im persönlichen Gespräch überzeugt hat. Das Risiko erscheint zu groß.
Was kann schief gehen?
Eine gute Einarbeitung garantiert das frühe Erkennen von Defiziten und sichert den Erfolg des neues Mitarbeiters. Ohne diesen Aufwand kann auch der beste Kandidat scheitern.
Das Kandidat, der vielleicht etwas häufiger gewechselt hat, hat seine Lernfähigkeit unter Beweis gestellt – muss er wirklich so viel Neues auf der Position lernen?
Der Kandidat hat keine Branchenerfahrung – führt fehlende Erfahrung wirklich dazu, dass ein neuer Mitarbeiter nicht erfolgreich ist? Kommt es nicht vielmehr darauf an, wie die Person auftritt und ob es ihr gelingt andere für sich zu gewinnen?

Weniger Voreingenommenheit könnte den Blick für die Chancen öffnen, die die Neugier und die Fragen eines Quereinsteigers mit sich bringen.

Wertschätzung

Nun ist es endlich soweit – ich sitze mit meinem Kandidaten beim Unternehmen – das erste Gespräch, um sich gegenseitig kennenzulernen. Der erste Kontakt des Kandidaten mit einem möglichen neuen Arbeitsgeber.
Was dann häufig passiert – mein Kandidat und ich sind pünktlich – wir warten aber oft recht lange auf unsere Gesprächspartner. Für mich zeugt dieses Verhalten von geringer Wertschätzung gegenüber den Kandidaten. Offensichtlich ist alles andere viel bedeutender, als einen potentiellen neuen Mitarbeiter kennenzulernen. Und die Entschuldigungen sind oft mehr als fadenscheinig – wenn denn überhaupt eine Entschuldigung erfolgt.

Personalmarketing

Dann startet das Gespräch und sofort wird klar, unser Gesprächspartner ist nicht gut vorbereitet. Er erzählt halbherzig etwas über das Unternehmen – Begeisterung klingt anders. Dann stellt sich mein Kandidat vor, erzählt von seinem beruflichen Werdegang und die Fragen der Gegenseite entwickeln sich zum Verhör meines Kandidaten. Das Gegenüber kommuniziert nicht mehr auf Augenhöhe. Ein schlecht geführtes Bewerbungsgespräch führt bei meinen Kandidaten regelmäßig zu einer Ablehnung der Position. Das Gefühl, nicht fair behandelt worden zu sein, kann die Möglichkeiten der neuen Position nicht aufwiegen. „Wenn die mich als Bewerber so behandeln – wie behandeln sie dann ihre Mitarbeiter?“

Den Job „verkaufen“

Der Kandidat nutzt seine Chance und möchte wissen:
Was genau ist auf der Position zu tun? Welche Erwartungen werden an ihn gestellt? Wie wird seine Leistung gemessen?

Und manchmal traue ich meinen Ohren nicht. Die Antworten sind oberflächlich. Es gibt keine konkreten Aussagen – nur die üblichen Gemeinplätze. In meinen Vorgesprächen waren Anforderungen und Erwartungen klar benannt worden.  Für den Bewerber entsteht der Eindruck hier wird nicht mit offenen Karten gespielt. Weiß das Unternehmen überhaut, was auf der Position zu tun ist? Habe ich auf der Position eine Chance erfolgreich zu sein? Dieses Risiko wird kein Bewerber eingehen und dafür einen Job kündigen.

Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck und aus meiner Sicht sollten Unternehmen diese erste Chance besser nutzen.

Die Ergebnisse der aktuellen Studienreihe des Karriereportals > Monster in Zusammenarbeit mit dem Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universität Bamberg. Über 4800 Jobsuchende und Karriereinteressierte wurden dazu befragt, welche großen Fehler Unternehmen bei der Rekrutierung machen