Als Coach kann ich Menschen dabei unterstützen, berufliche Fragen zu klären, alternative Reaktionen auszuprobieren oder Wege jenseits des Üblichen zu entdecken. Manchmal tauchen im Coaching allerdings Themen auf, die meine Kompetenz überschreiten. Dann brauchen meine Klienten die Unterstützung anderer Experten.

Neuer Arbeitsplatz statt neuer Aufgabe

Wie soll mein neuer Arbeitsplatz aussehen und wie bewerbe ich mich erfolgreich? Mit diesem Anliegen kommt eine Klientin in die erste Coaching-Sitzung. Sie ist selbst Arbeitsvermittlerin. Künftig soll sie den Außendienst übernehmen. Das möchte sie jedoch nicht. Lieber sucht sie einen neuen Arbeitsplatz.

Abneigung zeigt Vorlieben

Wenn jemand eine neue Aufgabe ablehnt, interessieren mich die Gründe. Daraus ergeben sich oft Anhaltspunkte für die Richtung der gewünschten Veränderung. Auf meine Frage antwortet die Klientin:

„Ich weiß gar nicht, welche Firmen Mitarbeiter suchen. Außerdem kann ich viele Bewerber nicht mit gutem Gewissen empfehlen. Ich bin den Leuten in den Firmen gegenüber unsicher und weiß nicht, worüber ich mit ihnen reden soll. Aber ich muss das machen, weil unsere Geschäftsführung das so entschieden hat. Sie wollen den Umsatz steigern. Unser Chef ist der Meinung, dass wir genügend Luft haben für diese zusätzliche Aufgabe.“

Im weiteren Gespräch über die Arbeitssituation und ihren Berufsweg verstärkt sich mein Eindruck, dass hinter dem Unbehagen mit der neuen Aufgabe ein Wertekonflikt steht.

Werte weisen den Weg

Ich frage meine Klientin nach ihrer persönliche Situation. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von ihrer kürzlichen Heirat und wie glücklich sie mit ihrem Mann sei. Beide sind engagierte Laienprediger in der Kirchengemeinde. Sie leben in einem mittelgroßen Ort und haben engen Kontakt zu Eltern und Schwiegereltern, die in der Nachbarschaft wohnen. Meine Klientin schildert lebhaft, was für sie wichtig ist und was sie gerne tut. Treue, Familie, Religion, sich für eine Gemeinschaft und für andere zu engagieren – das sind wichtige Werte für sie.

Für den nächsten Termin verabreden wir eine Zukunftsreise: Wie wird ihr Leben in fünf Jahren aussehen? Ich wähle diese Methode, weil ich spüre, dass meine Klientin etwas bewegt, das sie nicht aussprechen mag oder kann. Für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz kann es jedoch wichtig sein.

Eine Reise in die Zukunft

Die Phantasiereise in die Zukunft beginnt mit einigen Minuten Stille. Dann beschreibt die Klientin, wo sie sich in fünf Jahren befindet und wer bei ihr ist, wie ihre Tage aussehen, wie sie sich fühlt und wie sich die Situation anfühlt. Viele Bilder tauchen auf, aber keins, das mit ihrer Berufstätigkeit zu tun hat.

In der gemeinsamen Reflexion spreche ich das vorsichtig an: „Viele ihrer Bilder zeigen Familie, Kinder und Gemeinsamkeit.“ „Ja, das ist mir auch aufgefallen!“ „Können Sie sich das erklären?“

Meine Klientin erzählt, wie sehr sie und ihr Mann sich Kinder wünschen. Aber irgendwie klappt es nicht. Sie ist verunsichert und unglücklich. Gleichzeitig ist sie froh, endlich mit einer Außenstehenden über den unerfüllten Kinderwunsch sprechen zu können. Ein Bann ist gebrochen, und meine Klientin wünscht sich mehr Raum für dieses Thema. Die Frage des neuen Arbeitsplatzes und einer Bewerbungsstrategie rückt in den Hintergrund. Wir entwickeln Ideen, wie sie sich mit ihrer jetzigen beruflichen Situation vorübergehend arrangieren kann. Und wir vereinbaren, das Coaching nicht fortzusetzen.

Andere Anlaufstellen

Das Thema Kinderwunsch überfordert mich als Coach: Es ist nicht meine Kompetenz, die hier gebraucht wird. Gemeinsam überlegen wir, wie meine Klientin und ihr Mann Unterstützung finden können. Mit einer Liste von Anlaufstellen verabschiedet sie sich von mir.