Trennungsprozess: Führungskräfte begleiten

Outplacement ist nicht nur eine Dienstleistung für Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Es geht auch um die Vorgesetzten, die das Kündigungsgespräch führen müssen, sowie um die Kolleginnen und Kollegen, die weiter im Unternehmen arbeiten werden. Für sie ist der Trennungsprozess ebenfalls ein einschneidendes Erlebnis. Im zweiten Teil meiner Artikelserie zu Outplacement stehen die Führungskräfte im Mittelpunkt.

Trennungsgespräche sind nicht alltäglich

Das Kündigungsgespräch ist der Ausdruck des unabänderlichen Willens des Arbeitsgebers, sich von einem Arbeitnehmer zu trennen. Für viele Menschen ist der Verlust des Arbeitsplatzes eine existenzbedrohende Katastrophe. Wie Mitarbeiter den Trennungsprozess erleben, wird entscheidend durch das Verhalten der Vorgesetzten geprägt. Da es glücklicherweise nicht zum Tagesgeschäft von Führungskräften gehört, Kündigungen auszusprechen, fehlt ihnen jedoch die Erfahrung. Hinzu kommt, dass ein Vorgesetzter die Entscheidungen der Unternehmensleitung nicht immer nachvollziehen kann. Manchmal weiß er noch nicht einmal, wie es für ihn selbst weitergehen wird.

Verlierer auf beiden Seiten

Aus einem Trennungsgespräch geht niemand als strahlender Sieger heraus. Der Mitarbeiter verliert seinen Arbeitsplatz, der Vorgesetzte verliert seinen Mitarbeiter. Das Selbstbild der Führungskraft als Freund oder Förderer bekommt durch Überbringen der schlechten Nachricht Risse. Zu der Angst vor den Emotionen des Mitarbeiters gesellt sich die Angst vor den eigenen Gefühlen. Für beide Seiten ist das Kündigungsgespräch eine äußerst belastende Ausnahmesituation.

Für Vorgesetzte steht hierbei auch die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Vielleicht hat der Mitarbeiter erst vor kurzem einen Bonus für gute Leistungen erhalten, oder er ist noch vor wenigen Monaten befördert worden. Vielleicht sollen die Kündigungen trotz einer positiven Entwicklung des Unternehmens erfolgen. Vielleicht sind die sozialen Kriterien bei der Auswahl der Gekündigten nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Unterstützung für verunsicherte Führungskräfte

Im Outplacement berate und coache ich Führungskräfte zur Vorbereitung auf ein Kündigungsgespräch. Dazu gehört auch die Abstimmung mit der Unternehmensleitung über die Inhalte und das Wording der Gespräche mit dem Betroffenen und seinen Kolleginnen und Kollegen. Besonderes Augenmerk richten wir darauf, wie Arbeitnehmer auf eine Kündigung reagieren und wie Vorgesetzte mit starken Emotionen angemessen umgehen können.

Zeitpunkt und Ort des Trennungsgesprächs werden sorgfältig geplant. Ein solches Gespräch soll grundsätzlich nicht unmittelbar vor freien Tagen und nicht kurz vor Feierabend stattfinden. Auch gilt es zu berücksichtigen, ob der Betroffene in nächster Zeit Geburtstag hat oder ein Firmenjubiläum feiert. Im Raum sollten Getränke und Gläser ebenso bereitstehen wie Taschentücher.

Die Trennung von einem Mitarbeiter ist immer ein Prozess, der eine Reihe von Gesprächen umfasst. Deshalb wird auch geplant, was in den jeweiligen Gesprächen thematisiert werden soll.

Hierzu zählen ebenso die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls Beteiligte im Trennungsprozess sind. Auch sie müssen über Hintergründe und Zusammenhänge der Kündigung informiert werden, auch ihre Ängste und Sorgen müssen aufgefangen werden.

Wenn alles ausgesprochen ist

In der Outplacement-Beratung für Führungskräfte wird nicht zuletzt die Frage erörtert, wie sie diese belastende Situation der Trennung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verarbeiten. Dies kann entweder in Vier-Augen-Gesprächen mit mir als Beraterin oder in begleiteten Gesprächsrunden mit anderen Führungskräften geschehen.

Einen notwendigen Trennungsprozess sorgfältig und respektvoll für alle Beteiligten zu gestalten, wirkt sich positiv auf das Image eines Unternehmens bei den eigenen und bei potentiellen neuen Mitarbeitern aus.

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