Unsere Arbeitswelt ist dynamisch. Menschen verändern sich ebenso wie Aufgaben und Tätigkeiten. Der richtige Mitarbeiter am richtigen Platz: Das ist eine Herausforderung, vor der Unternehmen immer wieder stehen. Als Beraterin unterstütze ich Betriebe in solchen Prozessen, indem ich die Potenziale der Beschäftigten analysiere.

Profile vergleichen

Dabei nutze ich unter anderem das Instrument ProfileXT®, um das Anforderungsprofil einer Stelle mit dem Profil des Arbeitnehmers abzugleichen. Eine fundierte Potenzialanalyse ist für Führungskräfte eine gute Basis für Personalentscheidungen. Den Beschäftigten bieten sie Aufschluss über ihre beruflichen Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten. Der Zeitaufwand ist überschaubar, und durch die grafische Darstellung sind die Ergebnisse schnell zu erfassen. Verdeutlichen möchte ich das an einem Beispiel.

Lösungen suchen

In einem Maschinenbau-Unternehmen kam es immer wieder zu Konflikten zwischen einem Schichtleiter, den Meistern und Mitarbeitern. Zudem sprengten viele Überstunden und hohe Fehlzeiten den kalkulierten Kostenrahmen. Um den Ursachen und möglichen Lösungen auf die Spur zu kommen, bot die Produktionsleitung den Beschäftigten dieser Abteilung eine Potenzialanalyse an.

Der 53-jährige Schichtleiter Herr W. nutzte die Gelegenheit, sich über seine weitere berufliche Entwicklung im Unternehmen klar zu werden. Der Maschinenschlossermeister leitete seit 15 Jahren eine Schicht. Die Potenzialanalyse zeigte Überraschendes: Seine Stärken lagen nicht im technisch-handwerklichen, sondern im finanziell-administrativen Bereich.

Perspektiven entdecken

In einem Vier-Augen-Gespräch erläuterte ich Herrn W. die Auswertung.

„Herr W., wie zutreffend sind aus Ihrer Sicht die Aussagen in dem Bericht?“
„Ich finde mich dort auf jeden Fall wieder! Für mich sind sie rundum zutreffend. Zu der Auswertung habe ich deswegen keine speziellen Fragen.“
Ich spiegele Herrn W. noch einmal seine Stärken und zeige Punkte auf, an denen er arbeiten könnte.
„Was mich erstaunt hat: Ihre beruflichen Interessen weichen sehr stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab. Ist das so oder ist in der Auswertung doch ein Fehler?“
„Nein, das ist tatsächlich so. Ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass mir der Papierkram doch mehr Spaß macht. Früher war das anders. Jetzt kümmere ich mich zu Hause gern um diese ganzen Angelegenheiten.“
„Und wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Aufgabe als Schichtleiter?“
„Wenn ich ehrlich sein soll, macht es mir schon seit einiger Zeit nicht mehr so viel Freude, Schichtleiter zu sein. Ich verstehe mich nicht so gut mit den jungen Leuten. Sie sind viel aufmüpfiger als früher, lassen sich nicht mehr so einfach was sagen. Ich war schon häufiger beim Produktionsleiter, weil es Probleme gab. Am liebsten würde ich etwas anderes machen!“
„Haben Sie schon mal überlegt, was sie statt dessen gerne machen würden?“
„Ich könnte mir sehr gut eine Tätigkeit im Büro vorstellen, vielleicht in der Arbeitsvorbereitung.“

Alternativen finden

Soweit der Ausschnitt aus dem Gespräch. Wie ging es weiter? Herr W. und ich besprachen die Ergebnisse mit dem Produktionsleiter und verglichen die Anforderungsprofile aus der Verwaltung mit dem persönlichen Profil. Heute arbeitet Herr W. in der Auftragskalkulation und Angebotserstellung. Dazu besuchte er zwei vertiefende kaufmännische Lehrgänge. Er ist mit seiner Aufgabe wieder zufrieden. Nach Aussagen seines Vorgesetzten ist er ein wichtiger Leistungsträger, dem besonders seine Erfahrung aus der Produktion zu Gute kommt.

Einem jüngeren Facharbeiter, der sich zum Techniker weiterqualifiziert hatte, bot die Versetzung von Herrn W. die Chance, als Schichtleiter eine Führungsaufgabe zu übernehmen. Auch hier erfolgte die Auswahl mit Unterstützung von ProfileXT®. In der Abteilung konnte die Zahl der Überstunden deutlich gesenkt werden, die Fehlzeiten haben sich normalisiert und die Produktionsleitung muss seltener Konflikte schlichten.

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