Wenn Unternehmen neue Mitarbeiter suchen, steht zunächst die passende beruflichen Qualifikation im Vordergrund.
Gleichzeitig wünschen sich – nicht nur Führungskräfte – Persönlichkeit und Lebenserfahrung bei den „Neuen“.
Gerade die Menschen mit Persönlichkeit und Lebenserfahrung, haben häufig schlechtere Chancen mit ihrer Bewerbung.
Der Grund dafür ist nicht das Alter, sondern ein „krummer“ Lebenslauf – einer der nicht so geradlinig ist

Meine Erfahrung als Führungskraft zeigt:
Es sind oft die ungewöhnlichen Lebenswege, die jemanden zur Bereicherung für ein Team werden lassen.

Scheitern und lernen

Oft müssen junge Mensch schon recht früh über den beruflichen Weg und die Zukunft entscheiden.
Auch nach dem Abitur oder dem Studium wird diese Entscheidung nicht einfacher.
Es werden entscheidende Weichen für die persönliche Zukunft gestellt.

Aus vielen Gründen kann sich diese Entscheidung später als falsch erweisen.

Ist es dann gut, um jeden Preis durchzuhalten?
Oder zeigt es nicht vielmehr Mut und Entscheidungsbereitschaft, eine Ausbildung dann abzubrechen?

Aus meiner Zeit als Personalleiterin erinnere mich gut an einen jungen Mann.
Er war 20 Jahre alt, als er sich bei uns auf einen Ausbildungsplatz bewarb.
Zwei Ausbildungen hatte er zuvor abgebrochen.
Ich lud ihn ein, seine Bewerbung hatte mich beeindruckt und ich war neugierig geworden.
Im Bewerbungsgespräch erlebte ich einen Menschen, der klar beschrieb was zu den Entscheidungen geführt hatte.
Warum er sich jetzt sicher sei, den richtigen Ausbildungsberuf gefunden zu haben.
Er hat mich mit seinem Auftreten und seinen Argumenten überzeugt und er erhielt einen Ausbildungsvertrag.

Wir fanden mit ihm einen unserer erfolgreichsten Azubis!

Wechseln und weiterkommen

Eine andere spannende Lebensgeschichte erzählte mir ein ehemaliger Missionar.
Er hatte sich bei mir als Systemadministrator beworben. Ich war wieder einmal neugierig und wollte wissen, was steckt dahinter?
Dieser Mensch hatte nach einer tiefen persönlichen Krise, sehr genau darüber nachgedacht, wie es beruflich weitergehen sollte.
Er hatte den Wechsel sorgfältig geplant und sich systematisch weitergebildet.

Und nach unserem Gespräch, war die Welt und mein Team um einen fähigen und motivierten IT-Spezialisten reicher.

Applaus für die einen, Kopfschütteln für die anderen

Wir bewundern Menschen, die sich nach einem Hauptschulabschluss beruflich weiterbilden und ihre Karriere mit einem Diplom oder Doktortitel krönen.
Sie beweisen uns, dass sich Energie, Durchhaltevermögen und Zielorientierung lohnen.
Aber was ist mit dem Chef, der seine Führungsposition abgibt?
Was mit dem Unternehmer, der seinen Betrieb schließt?
Was mit der Geschäftsführerin, die keine mehr sein möchte?
Sie ernten Kopfschütteln und Verständnislosigkeit – wie kann man nur so etwas machen!

Und gerade diese Menschen haben dann große Schwierigkeiten einen neuen Job zu finden. 
Der war doch Führungskraft – dann lriegen wir bestimmt einen Bestimmer und Querulanten in unser Unternehmen.
Da wenn der seinen Betrieb schließen mußte, kann es ja mit seinen kaufmännischen und fachlichen Kenntnissen nicht soweit her sein.
Die war Geschäftsführerin, was will die den bei uns. Die wird bestimmt auf Dauer mit dem Job nicht zufrieden sein.

Dabei ist es so interessant, die Entscheidungen genau zu erforschen.
Wir müssen nur andere Fragen stellen und genau hinhören:
War es die kritische Reflektion der eigenen Fähigkeiten und Wünsche, die zu der Entscheidung geführt hat?
War es besser, das Unternehmen zu schließen, statt es einen langsamen Tod sterben zu lassen? 
Gab es wirklich diese große Entscheidungsfreiheit? War es wirklich so anders, als das was eine exzellente Fachkraft machen möchte?

Was motiviert diese Menschen, sich jetzt bei uns zu bewerben?

Es ist nicht einfach, gute Mitarbeiter zu finden.
Aber es ist spannend, neue Sichtweisen auf einen ungewöhnlichen Lebenslauf zu entwickeln.
Es lohnt sich einen zweiten Blick auf einen Menschen und seine Lebensgeschichte zu werfen.

Wenn demnächst künstliche Intelligenz bei der Bewerberauswahl die Entscheidung übernimmt, werden diese Menschen sicher nicht mehr ins Raster passen.

Wer sich entscheidet, eingefahrene Wege zu verlassen, muss sich nicht verstecken.
Ein Irrtum zuzugeben ist viel anstrengender als alles beim Alten zu belassen.

Es gehört Mut dazu etwas Neues zu wagen, und jeder der das tut, darf darauf stolz sein.

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