Es gibt viele Halbwahrheiten und Gerüchte über Assessment Center.
In diesem Artikel geht es um die Aufgaben – üblicherweise Übungen genannt – in einem Assessment Center

Assessment-Center – die typischen Übungen


Alle Übungen haben einen genauen Zeitrahmen, der von einem Moderator überwacht wird.
Ein Überziehen der Zeit wird nicht geduldet – im Zweifel muss die Übung abgebrochen werden.
Nur durch diese strengen Zeitvorgaben kann der Zeitplan eingehalten werden.
Gleichzeitig wird dadurch ein gewisser Stress erzeugt – durchaus gewollt.

Die Selbstpräsentation

Bereits mit der Einladung zum Assessment erhalten die Teilnehmer oft die Aufgabe, sich selbst darzustellen.
Meistens hat der Teilnehmer zwischen fünf und zehn Minuten Zeit, sich vorzustellen.
Entweder per Power Point oder ähnlichem oder ganz klassisch am Flipchart.
-Wichtig: zu Hause üben, weil der Zeitplan einzuhalten ist

 Die Zuschauer des Assessments – Beobachter in der Fachsprache – achten darauf:

  • hält der Teilnehmer Blickkontakt,
  • ist der Aufbau der Präsentation logisch,
  • wie drückt sich der Teilnehmer aus
  • hält er/sie den Zeitplan ein

 

Rollenspiele – der Klassiker im Assessment Center

Die Rollenspiele werden meistens zu zweit durchgeführt.
Jeder Teilnehmer erhält eine genaue schriftliche Anleitung, um sich auf das Rollenspiel vorzubereiten.
Dafür hat er ca. zehn Minuten Zeit.
Ein externer Gast ist das Gegenüber im Rollenspiel und hat ebenfalls eine Anleitung erhalten.
Es geht typischerweise um eine gängige Situation am Arbeitsplatz.
z.B.
du arbeitest im Vertriebsinnendienst eines Unternehmens xy. Du hast einen verärgerten Kunden am Telefon und sollst nun dafür sorgen, dass der Kunde sich wieder beruhigt
oder
du bist Teamleiter und hast ein Mitarbeitergespräch zu führen, bei dem es um eine schlechte Leistung eines Mitarbeiters geht.

Und darauf achten die Beobachterf:

  • hält der Kandidat Blickkontakt,
  • hört er/sie zu und geht auf die Argumente der Gegenseite ein
  • lässt er sein Gegenüber ausreden
  • behält er sein Ziel für das Rollengespräch im Blick
  • geht er wertschätzend mit dem Gegenüber um, bleibt seine Sprache freundlich und sachlich
  • hält er/sie den Zeitplan ein

 

Der Postkorb – heute wohl besser E-Mail Eingangskorb

Auch der Postkorb ist eine Einzelübung, die unter großem Zeitdruck stattfindet.

So ist in etwa das Setting:
Wie wir es alle kennen, der Postkorb ist am Morgen gut gefüllt und Du hast nur wenig Zeit für die Bearbeitung.
In etwa einer Stunde musst Du im Krankenhaus sein zu Deiner Operation.
Dein „Postkorb“ enthält diverse Emails, Briefe, Notizzettel und Kurzmitteilungen.
Du musst jetzt schnell erfassen welche Probleme sich hinter den einzelnen Schriftstücken verbergen.
Jetzt geht es darum Prioritäten zu setzen, d. h. Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden.
Zu jedem Vorgang soll eine eindeutige Anweisung erstellt werden:
– was ist zu tun – damit die Krankheitsvertretung auch Bescheid weiß.

Am Ende der Zeit präsentiert jeder Teilnehmer seine Lösung.
Erst nach Abschluss des Assessment wird die Lösung von den Beobachtern bewertet.
Ein direktes Feedback, ob gut oder schlecht – erhält der Teilnehmer nicht.
Es gibt keine hundertprozentig richtige Lösung.
Bewertet wird:

  • welche Aufgaben hat der Teilnehmer begründet delegiert
  • sind die Prioritäten nachvollziehbar gesetzt
  • sind die Anweisungen nachvollziehbar und schlüssig.

 

Gruppendiskussion – gern genommen: das NASA Spiel

In der geführten Gruppendiskussiongeht es um die Lösung für eine konkrete Aufgabe.
Eine klassische geführte Gruppenübung ist das NASA-Spiel.
(Es gibt verschiedene Varianten für diese Übungen)
Im NASA Spiel hat eine Raumschiff-Mannschaft (die Teilnehmer des Assessment) eine Bruchlandung auf dem Mond hingelegt.
Um zu überleben haben sie fünfzehn Gegenstände an Bord.
Nun soll sich die Mannschaft (Gruppe) darauf einigen – welcher Gegenstand ist der Wichtigste und muss unbedingt mitgenommen werden.
Was ist das Zweitwichtigste usw.

Bei der ungeführten Gruppendiskussion wählt die Gruppe zunächst unter zwei Themen aus, worüber  sie sprechen möchte.
Idealerweise hat die Gruppe am Ende der Runde ein gemeinsames Ergebnis.

Das ganze wieder unter einer strengen Zeitvorgabe meistens etwa 30 – 45 Minuten
Ein Feedback für die Teilnehmer gibt es auch hier nicht.

Die Beobachter – achten hier besonders auf die Gruppendynamik und die „soziale Kompetenz“ :

  • Wie gehen die Teilnehmer miteinander?
  • Bleiben sie freundlich und sachlich oder brechen Emotionen durch?
  • Wer setzt sich wie und mit welchen Argumenten durch?
  • Wer übernimmt die Führung in der Gruppe?
  • Wer ist besonders konstruktiv im Hinblick auf eine gemeinsame Lösung?
  • Wer ist eher der Moderator und hält die Gruppe zusammen?

 

Schriftliche Ausarbeitungen – sind eher selten

Da es bei einem Assessment Center nicht um die fachliche, sondern um die soziale Kompetenz geht, sind schriftliche Ausarbeitungen eher die Ausnahme.
Oft erhalten die Teilnehmer schon zur Vorbereitung für das eigentliche Assessment Informationsmaterial oder eine Aufgabe, um eine Ausarbeitung vorzubereiten und zu präsentieren.
Für eine Führungskraft könnte das z.B. sein: Wie werden Sie die ersten zwei Monate an Ihrem neuen Arbeitsplatz gestalten.
Oder: Wir werden ein neues Produkt xy auf den Markt bringen – wie würden Sie eine Marketing-Kampagne gestalten – wenn es um einen Job im Marketing geht.

Auch hier wird wieder geschaut, wie schlüssig ist der Aufbau, ist die Lösung nachvollziehbar usw.

Meistens wird auf diese Art der Übung verzichtet, weil sie viel Zeit fressen und natürlich auch eine hohe Belastung für die Teilnehmer darstellen.
Zusätzlich können auch Persönlichkeits-, Intelligenz-, Interessen- und Leistungstests eingesetzt werden. Auch das ist eher die Ausnahme.

Wenn Du tiefer in das Thema Assessment Center einsteigen möchtest hier findest Du weitere Artikel zum Thema.:

Assessment Center – Wer nimmt teil

Was ist ein Assessment Center

Online Asssessment Center

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